Mein altes Leben hat mich innerlich zerrissen

Hast du dich schon mal innerlich so richtig „zerrissen“ gefühlt? Du machst etwas und weißt eigentlich intuitiv, dass es nicht das ist, was du machen möchtest. Es macht dich nicht glücklich, aber du machst trotzdem weiter und weiter?

Jahrelang habe ich mein Leben so gelebt. Mein Bauchgefühl hat mir sehr oft gesagt, dass die eine oder andere Lebenssituation nicht für mich ist und ich habe nichts verändert, aus Angst, falsche Entscheidungen zu treffen. Ich hatte Angst vor der Meinung anderer, was sie wohl denken würden, wenn ich meine Entscheidungen so mir nichts dir nichts ändere und plötzlich etwas ganz anderes mache. Wieso sollte man auch von einem Weg freiwillig abkommen wollen, wenn er bisher so erfolgreich beschritten wurde?

Dieses Spiel mit meinen Gefühlen habe ich so lange betrieben bis mein Körper selbst das Steuer in die Hand genommen hat und es mich im wahrsten Sinne des Wortes innerlich zerrissen hat.

Diagnose: Blinddarmdurchbruch

Natürlich hat sich dieser Vorfall schon viele Monate vorher und akut fünf Wochen vor der Not-Operation sehr deutlich bemerkbar gemacht. Nachdem ich die Schmerzen, meinen Appetitverlust und die immer langsamer werdende Verdauung lange Zeit ignoriert hatte, konnte ich irgendwann die brennenden Schmerzen, selbst nach einem Glas Wasser, nicht mehr wegdenken.

Interessanterweise konnte nicht nur mein Geist die Notlage ganz gut vertuschen, auch mein Körper hat diese Fähigkeit dann quasi übernommen. In meinem Blut, Urin und auch im Ultraschall waren bis kurz vor der OP nichts zu sehen. Dass ich innerlich schon hochgradig entzündet, vereitert und offen war, konnte nur ich spüren. Die behandelnden Ärzte dachten ich sei ein überarbeiteter und gestresster Hypochonder, der unter Verstopfung leidet. Ich spürte, dass ich sterben werde, wenn ich noch einmal nach Hause gehen würde. Hätte ich nach meinem dritten Besuch in der Notaufnahme der Uni-Klinik nicht darauf bestanden, dass noch mehr und vor allem andere Untersuchungen gemacht werden sollten, würde ich jetzt diesen Artikel nicht schreiben.

Diese Krankheit hat mir klar gemacht, dass es ganz schnell vorbei sein kann

Irgendwie wusste ich es doch immer, dass das Leben endlich ist und ich jeden Moment genießen sollte, aber so richtig gelebt habe ich trotzdem nicht. Und auch heute lasse ich mich noch ab und zu von Selbstzweifeln, äußeren Pflichten und negativen Gedanken stressen. Solche Situationen und Gefühle wird es auch immer geben. Was ist aber, wenn die Wahrnehmung diesen Dingen gegenüber sich verändert?

Wenn heute etwas passiert, das mich stört, dann frage ich mich, wie mir diese Situation helfen kann, etwas dazuzulernen. Kann ich meine starren Muster mit einer ganz neuen Herangehensweise vielleicht durchbrechen? Kommunikation mit mir selbst und mit den Menschen in meinem Umfeld hilft mir dabei am meisten.

Ich spreche etwas aus oder formuliere meine Gedanken ganz klar und damit wird der Prozess erst so richtig in Gang gesetzt. Wichtig ist dann auch, einen Schritt nach dem nächsten zu gehen, um die Ziele und Wünsche in die Realität umzusetzen.

Irgendetwas fehlte…

Vor zweieinhalb Jahren war ich noch mit einem Stipendium für meine Doktorarbeit im Fach Britische Literaturwissenschaften an der Columbia University in New York. Heute bin ich selbstständige Gesundheitsberaterin und leidenschaftliche Eintopfköchin in Düsseldorf. Nach meinem Aufenthalt in Amerika habe ich beschlossen, einen Weg zu gehen, der mich erfüllt und so richtig glücklich macht. Ganz am Anfang davon stand die Wahrheit. Nämlich die Wahrheit mir selbst gegenüber, dass die letzten acht Jahre und die Arbeit an der Uni mit den Texten und den Studenten mir sehr viel Spaß gemacht hatten, aber ich tief in mir spürte, dass etwas fehlte. Dafür musste ich mit mir selbst in den Diskurs treten und es dann auch Anderen gegenüber aussprechen.

“Meinst du das wirklich ernst? Aber, Annabell, deine Arbeit – das bist doch du! Wie kannst du etwas anderes machen wollen, du machst das doch schon so lange? Möchtest du deine Doktorarbeit nicht wenigstens beenden? So wie jeder vernünftige Mensch? Und wieso solltest du dir mit einer Ausbildung zur Gesundheitsberaterin viel zusätzliche Arbeit machen, wenn du doch gar nicht weißt, ob es überhaupt funktionieren wird?”

Es ist genau dieser Gegenwind, der dir zeigt, dass deine Entscheidung richtig ist

Weil du Terrain betrittst, das für dich und die meisten aus deiner Umgebung unbekannt und unbequem ist. Die letzten zweieinhalb Jahre waren alles andere als leicht. Ich musste immer wieder schwierige Prüfungen bestehen, um mich auf meinem Weg zu beweisen. Mut allein reicht hier nicht. Disziplin und Durchhaltevermögen und eine große Portion Selbstliebe und Verständnis für dich und die anderen sind meiner Meinung nach essentiell.

Je öfter ich solche schwierigen Situationen meistere, desto mehr habe ich das Gefühl, bei mir selbst anzukommen. Ich weiß, was ich will und was mich glücklich macht. Ich weiß aber auch, was ich nicht will und wo ich mich nie wiedersehen möchte. Heute empfinde ich meine Laufbahn als Akademikerin als Vorbereitung für meine wahre Bestimmung. Meine Masterarbeit habe ich zum Thema „Romantische Liebe“ geschrieben – mein Leben drehte sich zu diesem Zeitpunkt um verklärte Vorstellungen romantischen Daseins. Auch in meiner Doktorarbeit ging es um die Liebe. Und zwar um die leidenschaftliche Liebe und das Selbst. Dass ich irgendwann diese Theorien, von denen ich immer gelesen habe, in meinem Leben tatsächlich umsetzen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten!

Heute liegt mein Fokus bei mir

Nicht aus Egoismus, sondern aus Selbstliebe. Du musst nicht auf einen großen Knall warten, du kannst jetzt sofort damit beginnen, dir mehr Liebe, Vertrauen und Freiheit zu schenken. Rede mit dir über deine Bedürfnisse und Wünsche. Und wenn du so weit bist, lasse die wichtigen Menschen in deinem Umfeld daran teilhaben und tu das, was für die Umsetzung deiner Vorstellungen nötig ist. Menschen, die dich nicht verstehen wollen, müssen es nicht verstehen und es ist in Ordnung, wenn nicht jeder Mensch dich auf deinem neuen Weg begleitet.

Nichts und niemand wartet darauf, dass du die Initiative ergreifst für dein eigenes Glück, aber wenn dir etwas richtig Beschissenes passiert, dann nimm die Herausforderung deines Lebens an und mach etwas daraus!


Dieser Artikel ist als Gastbeitrag von Annabell, Gesundheitsberaterin und Bloggerin hinter Gesundheit mit Annabell, erschienen. Du möchtest auch Gastautor bei THE BOSS WAY werden? Dann zögere nicht und schreib uns eine Mail an: kontakt@thebossway.de

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Nachdem sie 2017 fast an einem Blinddarmdurchbruch starb, formierte sie ihr Leben komplett neu: Die heutige Gesundheitsberaterin (IHK) und kreative Eintopfköchin Annabell widmet sich dem Thema Gesundheit und ausgewogene Ernährung mit sehr viel Liebe und Hingabe - zwar nicht nur durch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Die seelische Ordnung und dieses sogenannte „Bauchgefühl“ spielt ihrer Meinung nach eine essentielle Rolle, wenn es um Gesundheit und das eigene Glück geht. Heute findet man bei ihr eine individuelle, private Gesundheitsberatung, Workshops und die kreative Eintopfküche.

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