Ich liebe dich, aber manchmal machst du mich verrückt

Ich bin selbstständig, mein Partner ist es nicht. Das sorgt für viel Zündstoff in unserer Beziehung. Damit sie funktioniert, braucht es viel Verständnis und Unterstützung – von beiden Seiten. Eine Partnerschaft kann nur im Team funktionieren, denn allein lässt sich keine Beziehung führen. Doch wir haben nicht den gleichen Rhythmus, er im Büro, ich im Homeoffice. Was uns verbindet ist die Liebe zueinander und die gleiche Branche. Denn ganz ehrlich: Aus meiner Sicht würde es anders nicht funktionieren. Ich brauche jemanden, der meine Arbeit und Gedankengänge versteht, den ich auch strategisch um Rat fragen kann und der mich wachsen sehen will. Denn meine Arbeit nimmt einen sehr großen Teil meines Lebens ein und ich will keine Sekunde davon missen. Doch wie funktioniert unsere Beziehung im Alltag?

Grenzen stecken, sich selbst nicht verlieren und das Gemeinsame schützen

Das sind die drei essentiellen Dinge, damit unsere Beziehung funktioniert. Obwohl ich den ganzen Tag im Home-Office bin, bedeutet das nicht, dass es meine Aufgabe ist, den kompletten Haushalt zu schmeißen. Natürlich habe ich nichts dagegen, in meiner 5-Minuten-Pause mal den Müll rauszubringen oder eine Wäsche anzustellen. Schließlich verlasse ich dann mal meine gekrümmte Sitzposition am Schreibtisch für etwas Sinnvolles. Gefährlich wird es erst, wenn der Partner vorwurfsvoll in den Raum stellt: “Du hättest dich ja ruhig mal um den Abwasch kümmern können, du bist ja schließlich den ganzen Tag zu Hause.” Das hat meiner zum Glück noch nie getan. Dann hätten wir ein ziemliches Rollenverständnis-Problem.

Der Angestellte muss verstehen und akzeptieren, dass ein Job ein Job ist. Auch wenn man im Home-Office steckt und praktisch den ganzen Tag zuhause ist. Jeder hat sich gleich um den Haushalt zu kümmern, da ist es egal, zu welcher Uhrzeit das stattfindet. Deswegen ist es unerlässlich, sich selbst in der Aufgabe “Selbstständig in der Partnerschaft” nicht zu verlieren. Gemeinsame, klare Abmachungen helfen hier, beispielsweise mit einem Haushaltsplan. Daneben braucht jeder Zeit für sich. Es muss mehr als die Arbeit und Partnerschaft geben, damit beide glücklich bleiben. Das kann Zeit mit Freunden, der Sport oder jedes andere Hobby sein – wie diese “Me-Time” aussieht, ist für jeden anders.

Miteinander reden und offen sein ist der Kit jeder Beziehung

Ein Kompromiss bedeutet nicht, sie will A, er wiederum B und am Ende einigen sich beide auf C – also auf ein Ergebnis, was beide eigentlich nicht wollen, aber bevor nur einer verliert, verlieren halt beide. Das mag vielleicht ein Kompromiss sein, aber so funktioniert keine gute Partnerschaft. Man trifft sich in der Mitte – indem ihr euch die Frage stellt: “Wie können wir unsere Wünsche vereinen, sodass es für beide eine gute Lösung ist?” Wichtig: Die Antwort darauf kann für jedes Paar anders aussehen.

Zeit zu zweit versus “Ich muss das eben schnell fertig machen”

Mein Partner wünscht sich beispielsweise mehr exklusive Zeit zu zweit, ab von der Arbeit, was auch grundsätzlich meinem Bedürfnis entspricht. Doch dieser Wunsch kollidiert manchmal mit meinen Auswärtsterminen, bei denen ich zwei Wochen nicht in der Stadt bin und in der Zeit wo ich dann vor Ort bin, nach seinem Feierabend noch zuhause arbeite. Unsere Lösung ist, mehr Balance zu schaffen. Entweder mache ich gemeinsam mit meinem Freund unter der Woche Feierabend – darf dafür aber am Samstag und Sonntag für wenigstens vier Stunden mit meiner Arbeit verbringen. Oder ich arbeite unter der Woche länger, dafür gibt es am Wochenende die heiß ersehnte Couple-Time.

Ausgenommen bleiben davon Abgabetermine, die einfach sein müssen. Projekte, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fertiggestellt sein müssen, wofür man lange Schichten schiebt. Wichtig ist hier, dem Partner nicht das Gefühl zu geben, man flüchte sich in seine Arbeit, um keine Zeit mit ihm/ihr zu verbringen zu müssen. Dieses Gefühl kann schnell aufkommen, wenn der Partner in der Beziehung unsicher ist oder sich nicht genug wertgeschätzt fühlt. Hier hilft es, ihn oder sie ganz klar (soweit die berufliche Schweigepflicht es zulässt) in die Arbeitsprozesse mit einzubeziehen. Transparent zu sein, warum man so spät noch an Projekt X arbeitet, warum das so eine Priorität hat und wann es absehbar ist, dass wieder mehr Zeit für die Beziehung einkehren kann.

Und in der Mitte des ganzes Chaos warst da plötzlich du

Zwischen uns funktioniert es auf unseren 40qm nur so gut, weil er mich gewinnen und erfolgreich sehen will. Weil wir uns gegenseitig unterstützen. Weil ich meinen Partner in meine Geschäfte mit einbeziehe (soweit es das Geschäft zulässt). Das geht bei uns leicht, weil er aus meiner Branche kommt. Er versteht ohne große Erklärungen, was ich tue und respektiert meine Arbeit. Er hat oft eine andere Denkweise und Sicht auf die Dinge, was sehr viel Raum für Kreativität und Ideen lässt.

Als Nachteil möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass wir sehr oft über mein Business sprechen und uns darüber manchmal als Paar vergessen. Das war eine zeitlang wirklich ein großes Problem. Als wir das erkannten, haben wir ganz altmodisch wieder Dates eingeführt. Zeiten, in denen wir ausgehen und jedes Gespräch über Businessthemen tabu sind. Eine kleine Auszeit zu schaffen, ist unglaublich wichtig. Ansonsten würden wir uns verlieren.

Ohne meinen Partner möchte ich nicht selbstständig sein. Ganz im Ernst. Das liegt nicht daran, dass ich glaube, es nicht ohne ihn zu schaffen. Sondern weil ich mit diesem Mann mein Leben verbringen möchte. Er mich jeden Tag dazu bringt, noch ein wenig besser zu sein als gestern noch. Ohne diese emotionale und physische Unterstützung wäre die Achterbahnfahrt namens Selbstständigkeit um einiges schwieriger durchzustehen. Nicht unmöglich, einfach nur anders.

8 KOMMENTARE

  1. Liebe Laura,
    ein wirklich toller Artikel! Ich finde mich in vielen Punkten wieder. Momentan bin ich zwar selbst noch angestellt, baue aber nebenher mein Online Unternehmen aus. Ich verbringe oft die Feierabende zusammen mit meinem Freund und arbeite am Wochenende vormittags, weil er da meist noch schläft Ich bin gespannt wie es wird, wenn ich mich wirklich zu 100% selbstständig mache. Deine Tipps werden in der “Gewöhnungsphase” sicher hilfreich sein 🙂

    Liebe Grüße
    Rebecca

    • Liebe Rebecca,

      vielen vielen Dank! Es ist mir eine große Freude, dass du dich in dem Text wiederfindest. Balance und Ausgleich schaffen ist wirklich genauso wichtig, wie offen miteinander reden. Wünsche äußern und die Beziehung schützen. Denn was man gerade in den stürmischen Zeiten der Selbstständigkeit nicht gebrauchen kann, ist unnötiger Stress mit dem Partner. Ich bin super gespannt, wie es bei dir weitergeht und drücke dir sehr die Daumen für deinen weiteren Weg!

      Liebste Grüße
      Laura

    • Liebe Levke,

      wie passend! Vielen lieben Dank auch für dein Kompliment, das freut mich wirklich sehr. Ich hoffe, dass du einen wirklich tollen Weg noch vor dir hast. Auch liebe Grüße an deine Schwester!

      Liebste Grüße
      Laura

  2. Liebe Laura,
    Vielen Dank für den Einblick in Dein Leben. Ich freue mich, dass Du so einen tollen Partner an Deiner Seite hast, der Dich unterstützt.
    Mein Start in die Selbstständigkeit war leider ganz anders. Mein Mann hatte gar kein Verständnis für meine Arbeit und ich habe fast täglich einen Mehrfrontenkrieg geführt, der mich viel Energie gekostet hat.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und eine so tolle Beziehung.
    Liebe Grüße
    Janina

    • Liebe Janina,

      oh nein – das hört sich weniger schön an. Ich würde mir wünschen, dass es in Partnerschaften mehr Offenheit und Verständnis gibt. Von hier aus kann ich nicht beurteilen, woran es gelegen hat oder was ihr hättet letzten Endes besser machen können, damit du dich mehr unterstützt und dein Partner sich dennoch verstanden gefühlt hätte. Habt ihr denn eine gute Lösung gefunden, mit der ihr beide wieder zueinander finden konntet?
      Ich wünsche mir, dass du die Selbstständigkeit rockst – egal ob mit externer Unterstützung oder ohne. Denn eine Unterstützen hast du bereits gewonnen – dich. Und diese intrinsische Motivation ist die Einzige, die dich erfolgreich sein lässt.

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar!
      Liebste Grüße
      Laura

      • Vielen Dank für Deine lieben und aufbauenden Worte.
        Ich wollte das unbedingt und habe es auch durchgesetzt. Es war ein Kampf und es hat mich viel Energie gekostet, aber es war richtig und es hat sich gelohnt. Die Wertschätzung, die ich von meinen Kunden bekomme, pusht mich sehr und lässt mich regelmäßig über mich hinauswachsen.
        Mein Mann hat wirklich geglaubt, dass es nicht funktioniert und deswegen mir fast 2 Jahre das Leben schwer gemacht. Er musste nun einsehen, dass es genau mein Ding ist und ich es sowieso nicht aufgeben werde.
        Wenn man etwas wirklich will und davon überzeugt ist, muss man es machen. Ich würde mich sonst mein ganzes Leben fragen: Was wäre, wenn ich es doch gewagt hätte?
        Mach weiter so, liebe Laura!
        Du scheinst auch Dein Ding gefunden zu haben.
        Liebe Grüße
        Janina

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